Kerberos

Sage mir was du verdrängst und ich sage dir wer du bist.
Es existiert eine Theorie, die mich sehr fasziniert. Es handelt davon, dass das, worauf wir in unserem Verhalten bewusst zurückgreifen, gerade mal 20% dessen ausmacht, was unser Handeln in Wirklichkeit bestimmt.
Ich weiß, dass jeder Mensch sich im Grunde über das Unterbewusste im Klaren ist. Jedoch gibt es hierzu einige Gedanken, die jeden interessieren sollten und für das eigene Ich sensibilisieren könnten.
Die menschliche Psyche ist ein Eisberg.
Das Bewusste unseres Handelns liegt, um es metaphorisch auszudrücken "über Wasser“, während das Unbewusste unter der Wasseroberfläche verborgen liegen.
Was sich aber unter Wasser abspielt, hat einen großen und gar bestimmenden Einfluss auf das, was sich über Wasser ereignet.
Demnach ist der Eisberg gespalten in eine Art Bewusstes, Vorbewusstes und Unbewusstes.
Das Bewusste (Über-Ich) als Instanz der Werte und moralischen Prinzipien, als Spitze des Eisberges.
Das Vorbewusste (ICH), welches zwischen diesen Ebenen vermittelt.
Und das Unbewusste (ES) als Instanz der Triebe, Sehnsüchte, Wünsche und Ängste, im Verborgenen.
Sowohl das Über-Ich als auch das ES haben Ansprüche und Wünsche. Jedoch stehen sich diese meist genau oppositionell gegenüber. Im Allgemeinen gelingt es dem ICH im Kampf zwischen Es und Über-Ich eine Schiedsrichterrolle zu übernehmen und bei einem auftretenden Konflikt einen Kompromiss zu finden, der letztlich beide, wenigstens teilweise, zufrieden stellt. Dabei kann das ICH einen oder mehrere unbewusste Abwehrmechanismen benutzen, um nicht zu befriedigende Wünsche oder Ängste zu unterdrücken.
Einige dieser Abwehmechanismen sind:
Kompensation - Schwächen und Aängste werden durch Überbetonung eines anderen erwünschten Charakterzuges verhüllt.
Phantasie - Befriedigung frustrierter Wünsche durch Vorstellung ihrer imaginären Erfüllung.
Projektion - Übertragung der Verabscheuung eigener Wünschen, die als unmoralisch gelten, auf andere.
Rationalisierung - Man versucht sich dabei einzureden, dass das eigene Verhalten rational, d.h. verstandesmäßig begründet ist, um damit dieses Verhalten vor sich und anderen zu rechtfertigen
Verschiebung – Aufgestaute Gefühle werden auf Objekte entladen, die weniger gefährlich erscheinen als diejenigen, von denen die Erregung dieser Feindseeligkeiten ursprünglich ausgeht.
Verdrängung – Unterdrückung des Wunsches.
Jedoch steckt hinter diesen unerfüllten Wünschen eine solche Energie, dass die Abwehrmechanismen diese zwar umleiten können, jedoch auf eine anderen Art Ventile für diesen Druck suchen müssen.
Bei zu häufiger Anwendung dieser Abwehrmechanismen können sich Neurosen entwickeln. Neurotische Menschen verbrauchen sehr viel Energie, um Triebimpulse umzuleiten, so dass nur noch wenig Energie für produktive Arbeit oder befriedigende Beziehungen übrig bleibt. Dies ist demnach die letzte Möglichkeit des ES seine Ansprüche ins Bewusstsein zu rufen.
Aber besonders im Traum gelingt es dem ES, Verdrängtes in das Bewusstsein der Psyche zu leiten.
Psychische Prozesse durchlaufen also stets eine Art Zensur, die vom ICH durchgeführt wird.
Das ICH bewacht den Eingang in die Tiefen unserer Ängste, Kindheits-Traumen, sexuellen Sehnsüchte und Triebe. Es ist sozial gesehen wichtig, dass das ICH diese Welt bedeckt hält und nur das Über-Ich als Eisberg in die Gesellschaft hervor steht. Jedoch prägen uns unsere Tiefen sehr viel länger und stärker. Sie sind der Grundstein unseres Charakters tief verwurzelt in unserer Kindheit und unserer Natur. Wer sie nicht kennt und sich seinen Ängsten und Sehnsüchten verschließt, will sich selbst nicht kennen und verstehen.
Nun stelle man sich mal vor wie schwer es ist sich selbst zu verstehen, geschweige denn andere zu kennen. Doch mit der nötigen Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit hält man den Schlüssel für die Welt unter der Wasseroberfläche in seinen Händen. Es erfodert Mut und Toleranz.
dieHeldin - 27. Jun, 17:43






